Filmspotting - Erkundungen im Filmarchiv der Deutschen Kinemathek

OLDÁS ÉS KÖTÉS (CANTATA PROFANA, HU 1963, Regie: Miklós Jancsó)

27. August 2018, 19 Uhr

Kino Arsenal, Potsdamer Str. 2, 10785 Berlin

Als Teil der Filmsammlung aus dem Collegium Hungaricum befindet sich OLDÁS ÉS KÖTÉS (HU 1963) seit Kurzem im Verleih der Deutschen Kinemathek.
Der zweite Spielfilm des Regisseurs Miklós Jancsó bildete den Auftakt zur ungarischen neuen Welle der 1960er-Jahre und deutet bereits den einzigartigen Filmstil an, der in Jancsós späteren Werken zu seiner ausgereiften Form fand.

Der auf einer Kurzgeschichte von József Lengyel basierende Film erzählt von der Identitätssuche einer Generation zwischen Tradition und Moderne vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umbrüche im sozialistischen Ungarn der 1960er-Jahre. Der Protagonist Ambrus Járom ist eine charakteristische Figur dieser Zeit: Ein aus bäuerlichen Verhältnissen stammender talentierter Akademiker der ersten Generation, der dank der politisch gewünschten sozialen Mobilität ein erfolgreicher Herzchirurg geworden ist. Der Film zeigt die berufliche und persönliche Krise des jungen Arztes: Ambrus Járom traut seinem Vorgesetzten und ehemaligen Professor einen schwierigen medizinischen Eingriff nicht mehr zu. Als dieser die Herzoperation jedoch meisterhaft durchführt und das Leben der Patientin rettet, wird dies für Járom zum Anlass, seinen eigenen Berufsweg zu überdenken. Die von Tamás Somló eindrucksvoll fotografierten Erlebnisse des Protagonisten in der Budapester Künstlerszene und im Nachtleben der Stadt, die Fahrt zu seinem Vater, der in der ungarischen Tiefebene lebt, werden zu einer Reise der Selbstfindung.
 

Einführung: Eszter Takács, Deutsche Kinemathek

Schwermut und Leichtigkeit – Eine Sonderschau für Helmut Dietl

Aus Anlass der Übergabe seines Schriftgutnachlasses erinnert die Mediathek Fernsehen mit einer Sonderschau an den einzigartigen Helmut Dietl als Autor und Regisseur für Film und Fernsehen.

29.06.2018 bis 30.09.2018

Beim Bayerischen Rundfunk hatte man ihn immer einfach machen lassen: 1974 die Vorabendserie MÜNCHNER GESCHICHTEN mit der Theaterlegende Therese Giehse und dem unvergessenen Hans Brenner, ab 1979 den Zwölfteiler DER GANZ NORMALE WAHNSINN über das Liebesleben des Leserbriefredakteurs Glanz. Viele Bonmots aus Dietls Serien wie „Logisch!“ oder „A bissl was geht immer“ sind in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Seine eigenwillige Melange aus schriller Posse und waidwunder Melancholie erprobte der 2015 verstorbene Helmut Dietl mit Filmen wie ROSSINI – ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF (D 1997) oder VOM SUCHEN UND FINDEN DER LIEBE (D 2005) auch auf der großen Leinwand. In seinen Arbeiten KIR ROYAL (BRD 1986), SCHTONK! (D 1992), LATE SHOW (D 1999) und zuletzt ZETTL (D 2012) rechnete er immer wieder auch mit dem Medienbetrieb ab.

Filmreihe „Aus dem Fernseharchiv“

Klaus Lemke und Cleo Kretschmer

Die Reihe „Aus dem Fernseharchiv“ präsentiert jeden Monat bundesdeutsche Fernsehspielfilme, die einst ein Millionenpublikum fanden, doch mitunter in Vergessenheit zu geraten drohen. Wie sehr dies zu einem verzerrten Bild von deutscher Filmgeschichte führt, wird am Beispiel von Klaus Lemke deutlich: Der 1940 geborene Filmemacher drehte in den 1970er-Jahren mehrere publikumsträchtige Werke für das Fernsehen. Zentrale Figur und Star seiner meist in Schwabing angesiedelten Komödien ist Ingeborg Maria „Cleo“ Kretschmer. In diesem Quartal werden drei wichtige München-Werke des Gespanns Kretschmer-Lemke gezeigt, darunter mit IDOLE (BRD 1976) eine frühe stilbildende Zusammenarbeit (dazu das Debüt von Wolfgang Fierek!) und mit AMORE (BRD 1978) ein Großmarkt-Film, der bei seiner Erstausstrahlung eine Einschaltquote von 52 Prozent erreichte und mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.